Weil heute Mitarbeiter nicht nur mitarbeiten, sondern als Wissensarbeiter auch immer mehr in den Denkprozess eingebunden werden sollen, stehen Führungskräfte vor der Herausforderung, ihre Rolle neu zu definieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob und wie sie Verantwortung abgeben können und wollen und was danach für sie selber noch «übrig bleibt».
Einer der Begründer des modernen Managements hat weder studiert noch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung genossen. Frederick Winslow Taylor hat Ende des 19. Jahrhunderts Maschinenbau als Lehrling gelernt. Er arbeitete sich langsam hoch, vom Maschinenbauer zum Vorarbeiter und schliesslich zum Chief Engineer. Er sah Effizienzprobleme in den Firmen, für die er arbeitete und schrieb Methoden auf, wie man diese Probleme mittels Standards lösen könnte. Sein Mantra dabei war: «Arbeiter sollen arbeiten, Manager sollen denken».
Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, mit einer kleinen Ausnahme: Wir benötigen nicht mehr nur «Arbeiter» im Unternehmen, sondern primär «Denkarbeiter». Der Wissenschaftler Peter Drucker stellte das System des «befehle und herrsche» bereits in den 50er-Jahren in Frage und sprach damals schon vom «Wissensarbeiter», welcher die Arbeits– und Führungswelt verändern würde.
Und so stehen wir heute vor einer neuartigen Knacknuss: Wenn die «Arbeiter» plötzlich diejenigen sind, die auch jederzeit unternehmerisch mitdenken und sich aktiv einbringen sollen, was bleibt dann noch für den Manager übrig? Genau hier liegt der Kern dessen, was gemeinhin mit Führung 4.0 bezeichnet wird, nämlich die neue Sinngebung für die Führungskraft.

Zahlreiche neue Studien zeigen, dass Mitarbeiter tendenziell vor allem deshalb unzufrieden sind, weil ihnen keine oder zu wenig relevante Verantwortung übertragen wird. Dabei geht es ihnen nicht darum, die Karriereleiter hochzuklettern. Vielmehr wollen sie Verantwortung für das haben, was sie gut können, wofür sie bezahlt werden und womit sie für das Unternehmen Mehrwert generieren können. Nichts hassen qualifizierte Mitarbeiter mehr als Hierarchien und damit verbundene Bürokratie.
Letztlich geht es aus der Sicht der Führungskraft deshalb darum, Verantwortung abgeben zu wollen und zu können. Zu viele Unternehmensführer involvieren sich heute noch in Entscheidungen des operativen Geschäfts und in taktische Details, anstatt sich um das Gesamtbild, sprich um Visionen, Strategien und Innovationskulturen, zu kümmern. Umdenken tut Not!
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Stephan Isenschmid ist Betriebswirt und seit 2012 Geschäftsführer des Swiss Leadership Forum. Zuvor war er während mehr als 25 Jahren als Unternehmer im IT-Bereich tätig.
Kategorie: Digital Leadershp
