HR Today im Interview mit Ernst «Aschi»Wyrsch, bis 2011 Direktor des Steigenberger Hotels Belvédère in Davos – des Epizentrums des World Economic Forums
Ernst «Aschi» Wyrsch, Leadership-Coach, Trainer und Speaker, Ehrenpräsident des HC Davos und Mitglied des Beirats des Swiss Leadership Forum.
Herr Wyrsch, was war die mutigste Entscheidung, die Sie je gefällt haben?
Ich habe mich vor fünf Jahren ausgehend von einer sicheren Lebensstelle für die Selbständigkeit entschieden. Das hat mein Umfeld als mutig betrachtet. Für mich war es jedoch einfach ein logischer Schritt. Ich habe mich mit 49 Jahren damit befasst, was ich eigentlich beruflich aus meinem Leben noch machen will. Dabei war mir klar geworden, dass ich nicht mit 65 mit dem Arbeiten aufhören will. Als Angestellter ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man mit 65 keine Anstellung mehr findet. Mit 50 hatte ich das Gefühl, dass dies für mich nun wohl die letzte Gelegenheit sei, in die Selbständigkeit zu gehen. So wollte ich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, bis 80 arbeiten zu können.
Warum ist es erstrebenswert, bis 80 zu arbeiten?
Bis 80 zu arbeiten, bedeutet für mich, einem Lustprinzip zu folgen. Folgt man dem Lustprinzip, ist man enorm lang leistungsfähig – sofern man gesund bleibt. Ich glaube, dass in zehn Jahren die Menschen mit 65 im Schnitt noch viel fitter sein werden, als sie es bereits heute sind. Ich glaube auch, dass es künftig seitens der Senioren zu einer Welle von Unternehmensgründungen kommen wird. Phänomene wie die Rolling Stones, die – trotz Drogen, Frauen und obwohl sie wie die Löcher gesoffen haben – mit 70 noch auf Welttournee gehen, sind bereits ein Indiz dafür. Wir müssen die über 65-Jährigen künftig auch in den Unternehmen halten. Sonst kommt es zu einem Verlust von Talent und Geld. Das ist eine Führungsaufgabe, mit der sich auch HR heute schon beschäftigen sollte. Wir haben heute noch viel zu starre Arbeitsmodelle.
Der Schritt in die Selbständigkeit liegt fünf Jahre zurück. Wie bewerten Sie die Entscheidung im Rückblick?
Ich bin sehr dankbar, dass es so gut funktioniert hat. Nicht zuletzt dank dem World Economic Forum, das mir aufgrund des Netzwerks die Sicherheit gegeben hat, meine Selbständigkeit nicht im luftleeren Raum zu starten. Ich verspüre grosse Dankbarkeit, dass ich nun mit acht verschiedenen Hüten herumlaufen darf: Als Verwaltungsratspräsident, Geschäftsführer, Speaker, Dozent, Beirat, Kolumnist, Coach und Trainer. Es gibt Tage, an denen ich zwei verschiedene Hüte trage, und ich möchte keine dieser Rollen missen.
Kategorie: Faszination Leadership
